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Bauen im Bestand: Brandwände

Geschrieben von eg am 3. Juli 2021
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Bei einem geplanten Ausbau-Vorhaben bin ich vor kurzem auf eine interessante Neuerung im NRW-Baurecht gestoßen:

Bei Gebäuden mit Innenecken müssen besondere Brandschutzmaßnamen, insbesondere Brandwände, vorgesehen werden, um ein Überspringen von Bränden und damit ggf. Zerstörung angrenzender Gebäude zu verhindern.

In der alten Bauordnung waren in den §§ 30-33 Trennwände, Gebäudeabschlusswände, Gebäudetrennwände und Brandwände behandelt.

Unter anderem wurde bei Gebäuden über Eck vorgeschrieben, an einem der beiden Gebäude die Haus-Außenwand auf mindestens 3m Länge zu schließen, also die ohnehin zwischen den Gebäuden notwendige Brandwand um mindestens diese 3m zu verlängern. Dies ist in folgendem Bild veranschaulicht.

In der Praxis machte dies beim Bauen im Bestand z.T. erhebliche Probleme, denn Räume, die in der Ecke der Gebäude liegen, sind grundsätzlich schon schlechter belichtet, und auch auf den von der Verlängerung der Brandwand verschlossenen 3 m können so keine Fenster vorgesehen werden. In etlichen Fällen wurde von den Behörden auch nachträglich das Schließen von bestehenden Fenstern im Bereich der 3m-Verlängerung gefordert, so dass die zugehörigen Räume z.T. nicht mehr oder nur noch eingeschränkt nutzbar waren. Dies hatte natürlich auch Einfluss auf den Wert der Immobilien.

In der neuen NRW-Bauordnung (seit 2018) werden die Brandwände in §30 ausführlich behandelt.

Wichtig ist hier, dass es gegenüber der alten Bauordnung eine wichtige Neuerung gibt:
Alternativ zu der bisherigen Lösung, die Brandwand in eine geschlossene Außenwand zu verlängern (jetzt 5m), gibt es die Möglichkeit, die Brandwand mindestens 3 m von der Berührungslinie der beiden Gebäude weg zu versetzen, dann benötigt man keine geschlossene Außenwand.

Wörtlich im Gesetz: „(6) Müssen Gebäude oder Gebäudeteile, die über Eck zusammenstoßen, durch eine Brandwand getrennt werden, so muss der Abstand dieser Wand von der inneren Ecke mindestens 3 m betragen; das gilt nicht, wenn der Winkel der inneren Ecke mehr als 120 Grad beträgt oder mindestens eine Außenwand auf 5 m Länge als öffnungslose feuerbeständige Wand aus nichtbrennbaren Baustoffen, bei Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 4 als öffnungslose hochfeuerhemmende Wand ausgebildet ist.“.

Man hat also nun (wenn wir Ecken mit mehr als 120 Grad außer Acht lassen) zwei Möglichkeiten:

Die hier grün eingezeichnete Variante hat den Vorteil, dass man auf das Schließen der Wand in der für die Belichtung kritischen Ecke verzichten kann. Allerdings teilt dann die grün eingezeichnete Brandwand das Gebäude, so dass man auch hier in der Architektur eingeschränkt ist. Z.B. benötigt man hier statt eines Treppenhauses für das Gebäude nun zwei Zugänge.

Mindestens aber gibt diese neue Regelung beim verdichteten Bauen im Bestand mehr Flexibilität, was sich deutlich im Wert der Immobilie widerspiegeln kann.

Hier zum Nachlesen die Gesetzestexte der alten Bauordnung
https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_vbl_detail_text?anw_nr=6&vd_id=2473&vd_back=N256&sg=&menu=1
und der aktuellen Bauordnung von 2018
https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_text_anzeigen?v_id=74820170630142752068

Noch ein Hinweis: Meine Darstellung gibt die von mir gemachten Erfahrungen wieder und stellt keine Rechtsberatung dar. In einem konkreten Fall empfehle ich die Bewertung Ihrer örtlichen Gegebenheiten durch einen Brandschutzsachverständigen oder einen Fachanwalt für Baurecht.

eg

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